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Friesack
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Friesack ist eine amtsangehĂśrige Stadt im Landkreis Havelland im Land Brandenburg. Sie wird vom Amt Friesack verwaltet.
Contents
⢠Geographie
⢠Stadtgliederung
⢠Geschichte
⢠Urgeschichte
⢠Sage
⢠Ehemalige Burg
⢠Religion
⢠Stadtbrände
⢠Handwerk
⢠Vereinsleben
⢠Schulwesen
⢠Politik
⢠Bßrgermeister
⢠Wappen
⢠Flagge
⢠Bauwerke
⢠Museen
⢠Verkehr
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geographie
Friesack liegt am Alten Rhin zwischen dem Rhinkanal und dem havelländischen Hauptkanal, etwa 60 Kilometer westnordwestlich von Berlin. Die Stadt liegt zwischen den Städten Rathenow, Nauen, Kyritz und Neuruppin. Das Stadtgebiet hat Anteil am Wald Zootzen. Die Umgebung ist, abgesehen von der Felderwirtschaft, wasserreich, sumpfig und waldreich.
Stadtgliederung
⢠Wutzetz
⢠Zootzen
Als Wohnplätze sind ausgewiesen: Am Bahnhof, Am Rhinkanal, Am Schafstall, Briesen, Briesener Zootzen, Damm, Fliederhorst, Friesacker Zootzen, Karolinenhof, Klessener Zootzen und Wutzetzer Mßhle.
Geschichte
Erstmals erwähnt wurde der Ort 1216 in der Form Vrisac. Der Name ist slawischer Herkunft und bedeutet âOrt, an dem Heidekraut wächstâ.
Urgeschichte
â
Hauptartikel
:
Mesolithischer Moorfundplatz Friesack
Das Gebiet des heutigen Friesack weist jedoch eine sehr viel weiter zurßckreichende Geschichte auf. Das Niederungsgebiet Unteres Rhinluch, das zum Berliner Urstromtal gehÜrt, und an dessen Sßdrand Friesack liegt, war nämlich bereits in der älteren Nacheiszeit ein von Jäger-Fischer-Sammler-Gruppen genutzter Raum. Zahlreiche archäologische Stätten bezeugen hierin eine lange Kontinuität. Als bedeutendster Fundplatz des Mesolithikums gilt der Moorfundplatz Friesack westlich der Stadt. Dieser erweist eine vorbäuerliche Siedlungskontinuität von 9200 bis 5500 v. Chr. auf. Mit diesen Funden liegt der bis dato umfassendste, beinahe vier Jahrtausende repräsentierende Quellenbestand fßr Nordeuropa vor.
Diese Gruppen waren zudem nicht die letzten Jäger und Sammler, die im Gebiet um Friesack lebten. Die Friesack-Boberger Gruppe / Kultur (um 4600â4000/3800 v. Chr.) setzte die bis dahin vorherrschende Lebensweise weitgehend fort, Ăźbernahm oder entwickelte allerdings die Technik der Keramikherstellung, die ansonsten Ăźberwiegend bäuerliche Kulturen kennzeichnet.cite-ref-5[5]
Sage
âDer Teufel hat einmal Musterung auf der Erde gehalten und alle die Edelleute, die nicht mehr gut thun wollten, in einen groĂen Sack gesteckt, den auf den RĂźcken gethan und ist lustig damit zur HĂślle geflogen. Wie er nun Ăźber der Stadt Friesack ist, so streift der Sack etwas hart an der Spitze des Kirchthurms, sodass ein Loch hineinreiĂt und eine ganze Gesellschaft von Edelleuten, wohl ein Viertheil der Bewohner des Sacks, ohne daĂ der Teufel es gemerkt hätte, herausfallen. Das sind aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels fĂźr diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie nun die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Frie-Sack, und von hier haben sie sich dann Ăźber das ganze Havelland verbreitet, wo bekanntlich eine groĂe Menge von RittergĂźtern in ihrem Besitz sind. Die Namen derselben haben sie ihnen ebenfalls gegeben, und zwar meist nach der Richtung des Weges, den sie nahmen; der älteste der BrĂźder nämlich, der in Friesack blieb, sagte zum zweiten: âgĂĽ beĂ (besser) hinâ, da nannte der den Ort, wo er sich niederlieĂ, BeĂhin, woraus nachher PeĂin wurde; ein dritter ging von Friesack, das am Rande des mächtigen havelländischen Luchs liegt, Land einwärts, darum nannte er seine Ansiedlung âLand inâ oder Landin; ein vierter ging denselben Weg entlang wie der zweite, und baute Selbelang; ein fĂźnfter ging von dort aus rechts zu (rechts too) und baute Retzow, ein sechster endlich nannte sein Dorf nach seinem eigenen Namen Bredow.â (Kuhn, Adalbert: Märkische Sagen und Märchen. Berlin 1843)
Ehemalige Burg
â
Hauptartikel
:
Burg Friesack
Religion
In den Jahren 1538 und 1539, als die Hohenzollern zur evangelisch-lutherischen Lehre Ăźbertraten, wurden auch Friesack und das ganze Land evangelisch.
Nachdem sich in Friesack katholische Arbeiter niedergelassen hatten, fand 1852 durch Missionsvikar Eduard MĂźller die erste Heilige Messe nach der Reformation in Friesack statt. Ab 1878 fanden die katholischen Gottesdienste in der Rosenkranzkapelle statt. Von 1927 bis 1935 war der am 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen ermordete Albert Willimsky Pfarrer in Friesack, 1927 wurde das Pfarrhaus erbaut. Seit 2004 gehĂśrt die katholische Gemeinde Friesack zur Pfarrei St. Peter und Paul in Nauen. Auf Grund von baulichen Mängeln der Rosenkranzkapelle finden seit 2010 die katholischen Gottesdienste im Gemeinderaum des Pfarrhauses an der Berliner Allee 9 statt. 2015 wurde auf Initiative des Vereins deo iuvante Friesack e. V. (= mit Gottes Hilfe) die SeitenstraĂe an der Rosenkranzkapelle in Pfarrer-Albert-Willimsky-Weg umbenannt und es wurde eine Gedenktafel enthĂźllt.
Stadtbrände
FeuersbrĂźnste, der ârote Hahnâ, wĂźteten des Ăfteren in Friesack. Im Jahr 1616 erhielt der Ort als dessen Folge umfangreiche Statuten, welche den BĂźrgern VerhaltensmaĂregeln zur Brandvermeidung auferlegten. Diese findet man heute im Friesacker Heimatmuseum. Trotzdem wurden 1619 die Stadt und die zwischen 1560 und 1588 neuerrichtete Burg durch einen Brand fast vĂśllig zerstĂśrt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es wegen der Brandgefahr verboten, im Ort Scheunen zu bauen. Stattdessen entstand am Rande der Stadt eine ununterbrochene Reihe von Scheunen entlang der heutige ThiemannstraĂe. Es brannte aber immer wieder. GrĂśĂere Feuer wĂźteten 1800, 1825, 1841 und 1945.
Nach dem groĂen Brand von 1841, der auch das Burggelände erfasste, aber das Herrenhaus (Friesack I) verschonte, baute Karl Georg G. F. von Bredow ein neues Herrenhaus an der StraĂe nach KleĂen, um der Brandgefahr mĂśglichst zu entgehen. Dieses Haus brannte 1948 infolge Brandstiftung, mĂśglicherweise zur Vertuschung eines Einbruchs, ab. Mit dem Haus wurden viele historische Gegenstände des ausgelagerten historischen Museums zerstĂśrt. Der Zweite Weltkrieg zerstĂśrte neben der bald wieder errichteten Kirche und einigen wenigen Gebäude zunächst nur wenig. Erst durch Brandlegung der Besatzer wurde etwa ein Drittel der Stadt vernichtet. Noch heute finden sich daher einige BaulĂźcken, z. B. in der Berliner StraĂe.
Kriege, KĂśnige und Kaiser
Während des DreiĂigjährigen Krieges hatte auch Friesack stark zu leiden. 1635 wurde der Ort tagelang geplĂźndert. 1638 belagerten die Schweden die Burg, die von den Kaiserlichen unter General Gallas verteidigt wurde, aber nach dem Ausgehen der Verpflegung Ăźbergeben werden musste.
GroĂe Bedeutung hatten dann wieder die Bestrebungen von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem GroĂen im 18. Jahrhundert zur Urbarmachung und Kolonisation des Havellandes und des Rhinluches. In dieser Zeit wurden der Rhinkanal und der Havelländische Hauptkanal gebaut. Nach dem Sieg der napoleonischen Ăźber die preuĂischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt und dem Frieden von Tilsit wurden 1807 und 1808 franzĂśsische Soldaten in Friesack einquartiert. Die Einwohner hatten Pferde und Wagen sowie Proviant zu stellen.
Durch den Bau der StraĂe BerlinâHamburg im Jahre 1829 (im groben die heutige B5) erlebte Friesack einen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher jedoch durch den Eisenbahnbau 1846 wieder zurĂźckging. Weit besser erging es Friesack dann wieder von 1860 bis 1886 als Garnisonsstadt. Die Zieten-Husaren machten ihre ReitĂźbungen an den steilen Hängen der jetzigen FreilichtbĂźhne. 1885 hatte der Prinz und Feldmarschall Friedrich Karl Nikolaus von PreuĂen eine Parade abgenommen. Ihm zu Ehren wurde dort 1899 ein Denkmal eingeweiht.
Am 13. Oktober 1894 weihte Kaiser Wilhelm II. das Denkmal fßr den Kurfßrsten Friedrich I., den Bezwinger der Quitzow-Burg, feierlich ein. Die drei Meter hohe bronzene Statue wurde während des Zweiten Weltkrieges heruntergenommen und sollte zu Kriegszwecken eingeschmolzen werden. Dies geschah nicht mehr, sie wurde aber in der DDR-Zeit zur Produktion von Kleinersatzteilen fßr Landmaschinen verwendet. 2012 wurde eine Nachbildung aufgestellt.
Handwerk
Besondere Erwerbszweige waren die Torfgewinnung und das Holzpantinengewerk. Weiterhin existierten natßrlich die Landwirtschaft, das generelle Handwerk fßr Gegenstände des täglichen Bedarfs und ein gewisses Maà an dienstleistendem Gewerbe. So wurden 1939 14 Gastwirtschaften, 15 Lebensmittel- und Gemischtwarengeschäfte, 8 Bäckereien, 5 Fleischereien, 3 Schmiede, 4 Herrenschneider, 2 Uhrmacher, 3 Sattler und 5 Schuhmacher u. a. verzeichnet.
Kleinere Unternehmen als Folge der Industrialisierung gab es nur wenige. So bestanden zwei Ziegeleien, 1889 wurden eine Brauerei und 1920 die Molkerei gegrßndet. 1925 kamen ein Sägewerk und eine Haferflockenfabrik hinzu. Von 1854 bis 1945 besaà die Stadt eine eigene Heimatzeitung. Der erste Druckereibesitzer war Gustav Goldsche. Heute informiert der viermal im Jahr erscheinende Friesacker Quitzow-Kurier ßber die Begebenheiten im Ort.
Vereinsleben
Im Jahr 1830 wurde die SchĂźtzengilde gegrĂźndet. 1897 setzte sich der VerschĂśnerungsverein u. a. zur Aufgabe, die Wege und Plätze mit Flieder zu bepflanzen. Daraus resultierte das alljährliche gefeierte Fliederfest. 1884 wurde der Turn- und Sportverein gegrĂźndet, nach 1945 u. a. mit einer Feldhandballerinnen- und einer FuĂballmannschaft. Weiterhin existierten mehrere Gesangs-, Theater-, Frauen- und âKriegerâ-vereine. Auch eine Badeanstalt am Rhin sowie ein Badehaus mit Wannenbädern gehĂśrten zum Freizeitangebot. Sie wurde nach 1945 als MĂźllkippe verwendet. Es steht zu befĂźrchten, dass sich dort noch Munition und Schlimmeres ausgraben lassen.
In der ehemaligen âSchweizer Halleâ, der heutigen Diskothek, wurde geturnt und Tischtennis gespielt. Seit 1953 erfreut der Friesacker Karnevalsverein die Menschen. Weiterhin existieren ein Tennisverein, zwei Angelvereine, ein KleintierzĂźchterverein, ein Imkerverein und ein Landfrauenverein. Die Interessengemeinschaft âDie Pumpenfreundeâ sorgten dafĂźr, dass auf dem Marktplatz 1997 eine Pumpe errichtet wurde. Seitdem wird jährlich im Juli das Pumpenfest gefeiert. Musikalisch sind der Ăśkumenische Kirchenchor, der im Katholischen Pfarrhaus probt, recht bekannt. Auch einige Auto- und Motorradvereine sind aktiv. Seit 2010 ist der Verein deo iuvante Friesack e. V. aktiv und versucht die ehemalige Rosenkranzkapelle und das Gedenken an den am 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen verstorbenen Pfarrer Albert Willimsky zu erhalten.
Schulwesen
Das fĂźr diese Gegend Ăźberraschend hohe Angebot an Ausbildungs- und Schuleinrichtungen ist wohl ein Hauptgrund dafĂźr, dass dieser Ort nicht zusehends verfällt, sondern eine Zukunftschance hat. Schon im Jahre 1541 wird eine Schule erwähnt. Nach 1600 kommt eine Mädchenschule hinzu. Beide Schulen standen auf dem Burggelände. Im Jahr 1832 wurde die Stadtschule in die Berliner StraĂe verlegt. Bis 1971 diente sie als Polytechnische Oberschule, bis 1990 als Sonderschule. Heute wird das Gebäude als Obdachlosenheim genutzt.
Am 10. Februar 1971 wurde die neuerrichtete Schule am Sonnenweg eingeweiht. Heute ist die Kooperationsschule nach umfangreichen Modernisierungen ein SchmuckstĂźck der Stadt.
Aus der FDJ-Landestraktoristenschule von 1950 ist die Ingenieurschule fĂźr Landtechnik entstanden. Seit 1992 befindet sich dort das Oberstufenzentrum Havelland fĂźr theoretische Berufsausbildung. Auf dem ehemaligen Gelände der Betriebsberufsschule des Meliorationskombinats Potsdam befindet sich das Ăźberbetriebliche Ausbildungszentrum Bauwirtschaft des Landes Berlin-Brandenburg. FĂźr Aus-, Um- und Weiterbildung ist die âLändliche Erwachsenenbildungâ zuständig.
Friesack zur Zeit der DDR
Durch die Bodenreform vom 2. September 1945 erhielten landarme Bauern, Landarbeiter, FlĂźchtlinge und Vertriebene kostenlos Acker- und Weideland sowie Wald, nachdem die bisherigen EigentĂźmer enteignet und vertrieben worden waren. GroĂe Betriebe wurden verstaatlicht, neue Einrichtungen und Betriebe entstanden, so z. B. das GroĂprojekt âMilchader fĂźr Berlinâ der FDJ im Havel- und Rhinluch. In den fĂźnfziger Jahren begann die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Viele Friesacker Familien flĂźchteten in die Bundesrepublik Deutschland. In der Stadt waren die ACZ, Meliorations-, Forstwirtschaft, Getränkeproduktion, Sägewerk und Kreisbaubetrieb ansässig. Am 17. Juni 1953 demonstrierten die Bauarbeiter zusammen mit der Friesacker BevĂślkerung gegen die staatlichen ZwangsmaĂnahmen. Einige Personen wurden verhaftet, was eine weitere Auswanderung von Friesacker BĂźrgern in den Westen zur Folge hatte.
Etwa zwischen 1949 und 1956 war die an der InterzonenstraĂe BerlinâHamburg (damals F 5, heute B 5) gelegene Tankstelle als Zuladestelle fĂźr hochprozentigen Branntwein eingerichtet, der fĂźr den innerdeutschen Branntweinschmuggel in die BRD bestimmt war. Mit dem Branntwein, der auf Interzonenverkehr-Lastkraftwagen fassweise zwischen der Ladung versteckt oder in Schmuggelbehälter (z. B. präparierte LKW-Reifen) abgefĂźllt wurde, sollte durch dessen illegalen Verkauf die Wirtschaft der Bundesrepublik geschädigt werden, denn dem westdeutschen Fiskus entgingen pro Hektoliter Branntwein mehr als 1.000 DM Einnahmen, während die DDR dadurch in den Besitz von harter Währung (DM oder US-Dollar) gelangte.
Friesack nach der Wende
Das Feuerwehrhaus wurde nach Abriss der anliegenden Gasanlage (1996) und des Gasometers (1999) erweitert.
Im Jahr 2000 wurde die Sanierung des Marktplatzes beendet. Angrenzend in der Berliner StraĂe wurde eine Ladenzeile gebaut, die derzeit zum groĂen Teil unvermietet ist. Im Gegensatz zu frĂźher besteht heute die starke Tendenz, Alltagsgegenstände in Einkaufszentren, wie zum Beispiel dem vor Berlin an der B 5 liegenden Havelpark Dallgow, zu besorgen. Obwohl die Stadt fĂźr kleinere Geschäfte nicht genug Käuferpotential anzieht, stellt sie fĂźr die Umgebung im Lebensmittelbereich ein lokales Einkaufszentrum dar. Sonst lieĂe sich die hohe Dichte von Lebensmitteleinkaufsmärkten, die sich dort halten, nicht erklären. So mager das Angebot daneben zumeist auch ist, findet man doch weitaus mehr als in der Umgebung.
Ein Relikt der aus der AuflĂśsung der DDR resultierenden, teils problematischen Besitzverhältnisse ist das ehemalige Hotel âZum Sternâ in der Berliner StraĂe. Das einstmals schĂśne Haus ist derzeit in einem verwahrlosten Zustand. Nutzungskonzepte schlugen bisher fehl, inzwischen ist das Haus abgerissen worden.
Die Stadt weckt derzeit tendenziell den Eindruck einer dreigeteilten BevĂślkerung. Zunächst die Alteingesessenen, welche vor allem das Stadtbild im Ortskern prägen und sich zum groĂen Teil aus älteren Menschen rekrutieren. Sie wohnen sowohl in aufwendig restaurierten alten SchmuckstĂźcken als auch in maroden baufälligen Häusern, welche ein mittelalterliches Gassenbild erzeugen. Bei neuzugewanderten Familien, welche mehr die neugebildeten Stadtviertel bevĂślkern und kinderreicher sind, reicht das Stadtbild von Plattenbau bis zu schĂśnen Einfamilienhäusern. Den dritten Teil der BevĂślkerung bilden die sich nur vorĂźbergehend in der Stadt aufhaltenden SchĂźler und Auszubildenden. So ergibt sich eine durchaus friedliche Koexistenz, wobei diese BevĂślkerungskomponente einem vĂślligen Verfall des Ortes in die Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken scheint. Aber im Gegensatz zu einer normalen Entwicklung einer Stadt, deren Nachwuchs von der eigenen BevĂślkerung gestellt wird, haben die SchĂźler wenig Einfluss auf das Stadtbild. Man wundere sich deshalb nicht, dass die âHauptstraĂeâ, welche eher den Eindruck macht, dass die Stadt unter Landflucht zu leiden hat, von relativ vielen Jugendlichen bevĂślkert ist, zumal sie fĂźr diese wenig zu bieten hat. Dieses oberflächlich betrachtet nicht passen wollende Stadtbild von einem teils ânochâ maroden, mittelalterlich wirkenden, nicht touristisch erschlossenen Ortskern und relativ vielen Jugendlichen ist ein interessanter Unterschied gegenĂźber anderen Kleinstädten.
Verwaltungsgeschichte
Friesack gehĂśrte seit 1817 zum Kreis Westhavelland in der preuĂischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Nauen im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt die Stadt im brandenburgischen Landkreis Havelland.
BevĂślkerungsentwicklung
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1990)cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]cite-ref-8[8], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
Stadtverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung von Friesack besteht aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen BĂźrgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 fĂźhrte bei einer Wahlbeteiligung von 63,5 % zu folgendem Ergebnis:cite-ref-9[9]
| Partei / Wählergruppe | Stimmenanteil 2019 [ 10 ] | Sitze 2019 | | Stimmenanteil 2024 | Sitze 2024 |
|---|---|---|---|---|---|
| SPD | 25,7 % | 4 | | 33,5 % | 5 |
| AfD | â | â | | 30,6 % | 5 |
| Wählergruppe Bauern | 24,6 % | 4 | | 15,2 % | 3 |
| CDU | 0 5,9 % | 1 | | 0 4,7 % | 1 |
| Einzelbewerber Paul Beyer | â | â | | 0 3,6 % | 1 |
| FDP | 0 9,3 % | 2 | | 0 3,4 % | 1 |
| Einzelbewerber Kristian Wendland | â | â | | 0 2,6 % | â |
| Einzelbewerber Axel Niedermeyer | â | â | | 0 2,5 % | â |
| Einzelbewerberin Dagmar MĂśller | â | â | | 0 2,2 % | â |
| Einzelbewerber Toni Pundrich | â | â | | 0 1,6 % | â |
| BĂźndnis fĂźr Friesack | 20,5 % | 3 | | â | â |
| Einzelbewerber Werner TĂśpfer | 0 7,6 % | 1 | | â | â |
| Die Linke | 0 6,4 % | 1 | | â | â |
| Insgesamt | 100 % | 16 | | 100 % | 16 |
BĂźrgermeister
⢠1998â2008: Peter Behrendt (FDP)cite-ref-11[11]
⢠2008â2014: Werner TĂśpfercite-ref-12[12]
⢠2014â2019: Klaus Gottschalk (SPD)cite-ref-13[13]
⢠2019-2024: Christoph KÜpernick (Bßndnis fßr Friesack)cite-ref-14[14]
⢠seit 2024: Lothar Schneider (SPD)
Wappen
Flagge
Die Flagge ist Blau â WeiĂ â Rot (1:1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.
Städtepartnerschaften
SehenswĂźrdigkeiten und Kultur
In der Liste der Baudenkmale in Friesack stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.
Bauwerke
⢠Burg Friesack
⢠Kirche an der heutigen BurgstraĂe, direkt westlich vor der Burg gelegen, brannte 1841 ab und wurde, etwas näher an den Marktplatz versetzt, auf dem ehemaligen, auch abgebrannten Wirtschaftshof in der CharlottenstraĂe neu errichtet. 1945 brannte auch diese Kirche durch Kriegseinwirkung ab. Sie wurde in den Jahren 1949 bis 1955 in veränderter Form wieder aufgebaut.
⢠Rosenkranzkapelle, ab dem Jahre 1878 besaĂ die Stadt dank der Hilfe des katholischen Fotografen Albert Bode ein katholisches Gotteshaus, die an der RhinstraĂe gelegene Rosenkranzkapelle. Da im preuĂischen Kulturkampf keine katholische Kirche genehmigt worden war, lieĂ Bode das Gebäude als Fotoatelier bauen und stellte es der katholischen Gemeinde als Gottesdienstraum zur VerfĂźgung. Aufgrund von Baumängeln wurde die Kapelle 2010 fĂźr Gottesdienste geschlossen. 2014 wurde die Kapelle an den Verein deo iuvante e. V. verkauft, der katholisches Leben in Friesack und den Erhalt der Rosenkranzkapelle unterstĂźtzt.cite-ref-18[18]
⢠Feuerwehrhaus, am 3. April 1892 wurde die Freiwillige Feuerwehr Friesack durch den Bäckermeister Robert Repke gegrßndet. Das Feuerwehrhaus und auch das Gaswerk wurden 1900 errichtet, wobei das Gaswerk später den Neubauten der Feuerwehr weichen musste.
⢠Marktplatz, schon in frßheren Jahren ein Ürtlicher Umschlagplatz fßr Kram und Vieh. Auf dem heutigen Bushalteplatz stand das Rathaus, das 1833 abgetragen wurde. Das heutige Rathaus wurde 1994 recht aufwendig restauriert.
⢠Freilichtbßhne mit Tennisplatz und Rodelanlage, 1934 errichtet. Durch das rege Vereinsleben, die schÜnen Parkanlagen und ein gewisses Maà an kulturellem Angebot wurde Friesack 1928 als Luftkurort anerkannt. Drei Kurheime wurden besonders von Berliner Gästen genutzt.
⢠Sieben-BrĂźder-Eiche, so benannt aufgrund ihrer sieben Stämme, in der Klessener StraĂe, 300 Jahre alt
⢠Jßdischer Friedhof mit Gräbern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, durch seine versteckte Lage ßberlebte der Friedhof die Zeit des Nationalsozialismus, wenn auch nicht ganz unbeschadet. Er wurde während der DDR-Zeit von Sowjetbßrgern erneuert, wobei aber die Grabsteine nicht in ihrer ursprßnglichen Lage aufgestellt wurden.
⢠Schlossereischmiede, umfangreich saniert und nun das Friesacker Heimathaus, hier befinden sich die Stadtbibliothek und das kleine Heimatmuseum, das durch Privatinitiative ins Leben gerufen wurde. Da viele der historischen Gegenstände angefasst und technische Geräte bewegt werden dßrfen, eignet sich das Museum auch fßr Kinder.
⢠Postamt, 1898 fertiggestellt, steht heute leer
⢠Gebäude des heutigen EiscafĂŠs Neumann (Ecke Berliner Allee/Klessener StraĂe), 1878 vom Ziegeleibesitzer Otto Beyer erbaut, der Turm des Gebäudes wurde 1945 zerstĂśrt
⢠Krankenhaus, 1914 erbaut, von 1969 bis 1991 als Landambulatorium und Ărztehaus genutzt, zurzeit dient es als Einrichtung fĂźr betreutes Wohnen
⢠Windmßhle, zu einem Wohnhaus umgebaut, zeitweise existierten bis zu sieben Windmßhlen
Nicht mehr vorhanden
⢠Herrenhaus auf dem Burgberg, 1774 im Fachwerkstil erbaut, diente ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Wirtschaftsgebäude, 1956 wegen Baufälligkeit und aus ideologischen Grßnden abgetragen
⢠Apotheke, im Jahre 1775 erwähnt, war eine der ältesten Ladeneinrichtungen Friesacks, 1945 zerstĂśrt, sie befand sich in der Berliner StraĂe am Marktplatz gegenĂźber der heutigen Apotheke. Inzwischen ist dieses GrundstĂźck unbebaut.
Museen
Das Heimatmuseum und die Ăśffentliche Bibliothek der Stadt Friesack befinden sich im Heimathaus am Marktplatz.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
StraĂenanbindung
Friesack liegt an der BundesstraĂe 5 auf halber Strecke zwischen Berlin und Perleberg. Beim Wohnplatz Briesen beginnt, abzweigend von der B 5, die BundesstraĂe 188, die in Richtung Westen nach Rathenow fĂźhrt. Die LandesstraĂen L 17 nach Rhinow und L 166 nach Wildberg verlaufen ebenfalls durch das Gebiet der Stadt.
Eisenbahn
Der vom Ortszentrum etwa 2,5 km entfernte Bahnhof Friesack (Mark) an der Berlin-Hamburger Bahn wird stĂźndlich durch die Regional-Express-Linie RE 8 WismarâSchwerinâWittenbergeâBerlinâElsterweda stĂźndlich bedient. Betrieben wird sie von der ODEG.
Auf der Berlin-Hamburger Bahn erreichte die Stromlinien-Dampflokomotive 05 002 auf ihrer Versuchsfahrt am 11. Mai 1936 nahe Friesack die Dampflok-Weltrekordgeschwindigkeit von 200,4 km/h.
Wasser- und Energieversorgung
Die erste Kanalisation wurde 1925 in der Berliner StraĂe verlegt. Weitere kamen in den 1980er und 1990er Jahren hinzu. Der erste Wasseranschluss an die zentrale Versorgung erfolgte 1976. 1993 erhielt die Stadt einen Erdgasanschluss.
PersĂśnlichkeiten
SĂśhne und TĂśchter der Stadt
⢠Meier Hirsch (1765/1770â1851), Mathematiker
⢠Adalbert von Bredow (1814â1890), preuĂischer Generalleutnant, geboren auf Gut Briesen
⢠Adolph Stier (1823â1890), Generalarzt
⢠Emil Schallopp (1843â1919), Schachmeister und -schriftsteller
⢠Otto Sidow (1857â1927), Zeitungsverleger; EhrenbĂźrger von Brandenburg an der Havel, Mitglied des Reichstages
⢠Paul LĂźdicke (1866â1931), Rechtsanwalt und Notar, Mitglied des preuĂischen Landtages
⢠Otto Goetzke (1877â1946), Radrennfahrer
⢠Wilhelm Heinrich (1882â1970), Oberrichter am Obersten Gericht der DDR
⢠Willy Dietrich (1886â1955), Theaterschauspieler und Theaterintendant
⢠Otto Flieger (1915â1981), Politiker (SPD), Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von GroĂ-Berlin
⢠Kurt Repke (1919â2001), Biochemiker und Pharmakologe
⢠Egon Mahnkopf (1929â2012), Architekt
⢠Georg Feldhahn (1941â1961), Grenzpolizist der DDR, Todesopfer an der Berliner Mauer
⢠Karsten Wettberg (* 1941), FuĂballtrainer
Mit Friesack verbundene PersĂśnlichkeiten
Literatur
⢠Almut Andreae, Udo Geiseler: Die Herrenhäuser des Havellandes. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart. Lukas Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-59-2.
⢠E. G. Bardey: Geschichte von Stadt und Ländchen Friesack. Selbstverlag, Nauen 1894.
⢠Max Wichard von Bredow: Das Geschlecht von Bredow, Herkunft und Entwicklung 1251â1984. Selbstverlag, Burgdorf/HeeĂel 1984.
⢠Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 7: Unbekannte und vergessene Geschichten aus der Mark Brandenburg. Teil 1: Das Ländchen Friesack und die Bredows. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-7466-5707-3.
⢠Gßnter Kirchert: Denkschrift zu dem 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. Friesack 1992.
⢠Gßnter Kirchert: Festschrift zum 675-jährigen Stadtjubiläum. Friesack 2002.
⢠Henning v. Koss: Das Ländchen Friesack und die Bredows. Märkische Verlagsgesellschaft, Kiel 1965.
⢠Quitzow-Kurier (vierteljährlich).
⢠Stadt Friesack (Hrsg.): Sanierungsgebiet Altstadt Friesack. Friesack, 2002.
Weblinks
Commons
: Friesack
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Friesack auf den Seiten des Amtes Friesack
⢠Pfarrsprengel Friesack und Haage
Einzelnachweise
cite-note-metadaten-einwohnerzahl-de-bb-11. BevĂślkerungsstand im Land Brandenburg Dezember 2024 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, basierend auf dem Zensus 2022) (Hilfe dazu).
cite-note-22. â Friesack | Service Brandenburg. Abgerufen am 11. Februar 2024.
cite-note-33. â Amtsblatt fĂźr Brandenburg, 2002, Nr. 20, S. 519
cite-note-42. Thomas Terberger: Die Siedlungsbefunde des MagdalĂŠnien-Fundplatzes GĂśnnersdorf. Konzentrationen III und IV, Franz Steiner, Stuttgart 1997, S. 28 f.
cite-note-55. â Friesack-Boberger Gruppe / Kultur (um 4600â4000/3800 v. Chr.), in: brandenburgikon. Historisches Lexikon Brandenburgs.
cite-note-66. â Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14â17
cite-note-77. â BevĂślkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
cite-note-88. â Amt fĂźr Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. BevĂślkerungsentwicklung und BevĂślkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
cite-note-99. â Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
cite-note-103. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
cite-note-1111. â Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (BĂźrgermeisterwahlen) fĂźr den Landkreis Havelland (Memento vom 5. April 2018 im Internet Archive)
cite-note-1212. â Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. BĂźrgermeisterwahlen, S. 9
cite-note-1313. â Ergebnis der BĂźrgermeisterwahl am 25. Mai 2014 (Memento des Originals vom 28. Januar 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wahlen.brandenburg.de
cite-note-1414. â Ergebnis der BĂźrgermeisterwahl am 26. Mai 2019 (Memento des Originals vom 28. August 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wahlen.brandenburg.de
cite-note-1515. â Ergebnis der BĂźrgermeisterwahl am 9. Juni 2024
cite-note-1616. â Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
cite-note-wappen-174. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
cite-note-1818. â Matthias Rheder: Was kann aus Friesack schon Gutes kommen? In: Dezernat Seelsorge des ErzbischĂśflichen Ordinariats Berlin (Hrsg.): Informationen Nr. 111 2-2014, S. 18â21